Corona und derzeitige Betreuung bei Rainman’s Home

Es sind, vorsichtig ausgedrückt, bewegte und für viele Menschen schwierige Zeiten, die durch den Coronavirus ausgelöst wurden. Unser aller Alltag ist auf den Kopf gestellt, vieles hat sich verändert oder ändert sich täglich. Gerade darum wollen wir Sie immer aktuell über unsere Maßnahmen zur Unterstützung der Menschen mit Autismus in unseren Tagesstätten infomieren und werden hier in chronologischer Abfolge, immer mit der aktuellsten Meldung zuerst, über unsere Maßnahmen und Betreuungsangebote in dieser außergewöhnlichen Situation berichten. Passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund.

Mitteilung vom vom 27.3.2020
von Dr. Anto Diestelberger, Obmann Rainman’s Home:
Die Lage am Ende der zweiten Corona-Woche

Alle wurden wir von der Heftigkeit und der Rasanz der Entwicklungen überrascht und davon mehr oder weniger vorbereitet getroffen. Daher ist es verständlich, dass auch die Entscheidungsträger in allen Bereichen und auf den unterschiedlichsten Niveaus Prioritäten setzen und sehr flexibel entscheiden müssen. Die momentane Situation ist unvergleichlich, dennoch weiß man, dass der Blick in die Zukunft nötig ist. Es bedarf der Anstrengung aller, und das jetzt!

Wir bei Rainman’s Home versuchen in mehrfacher Hinsicht, handlungsfähig zu bleiben und parallel dazu Aktivitäten zu entwickeln. Wir halten derzeit den Betrieb in beiden Tagesstätten am Laufen. Es sind momentan nur wenige KlientInnen anwesend und dementsprechend ist auch die Zahl der BetreuerInnen reduziert. Wir betreuen KlientInnen aus Wohngruppen und solche, die in den Familien leben. In Zeiten wie diesen dürfen wir in Absprache mit dem FSW allen einen Bustransport anbieten, auch jenen, die unter normalen Umständen die öffentlichen Verkehrsmittel benützen.

Die nächste große Herausforderung stellt mittelfristig die Finanzierung des Betriebes dar. Noch gibt es keine klaren Anweisungen des FSW, wie eine tragbare Lösung aussehen wird. Allen aber ist klar, dass es ein unkonventionelles Vorgehen geben wird müssen. Noch ist nicht entschieden, wie die Fehltage letztlich bewertet werden. Es zeichnet sich zunehmend ab, dass wir an ein Modell der Kurzarbeit denken müssen, um die anfallenden Kosten zu minimieren und den Aufwand an die spezielle Lage anzupassen. Wie das konkret umzusetzen ist, wissen wir noch nicht genau. Wir stimmen derzeit in den Führungsebenen der Tagesstätten die Strategien ab. Wir stehen aber auch in einem regen und laufenden Austausch mit dem FSW (Krisenplattform), dem Dachverband und mit den GeschäftsführerInnen anderer Organisationen, nicht zuletzt mit unserem Steuerberater.

Uns beschäftigt zudem die Frage, was mit der dritten Tagesstätte sein wird. Ganz sicher kann die geplante Eröffnung ab September nicht gehalten werden. Die Plätze werden jedoch dringend benötigt und auf irgendeine Weise muss den Vorgemerkten geholfen werden, da sind sich alle einig. Wir denken, das sehen auch entscheidende Personen im FSW und der Gemeinde so. Vielleicht wird es auch hier eine unkonventionelle Lösung in Form einer Überbrückung brauchen. Aber so wie es sich derzeit darstellt, wird es diese neue Tagesstätte letztlich geben, wir wissen nur nicht genau ab wann.

Wir wollen deutlich machen, dass wir auch in den Zeiten der Krise noch vorne blicken und dennoch hier und jetzt besonders allen Beschäftigten im Behindertenbereich unseren Dank aussprechen. Es ist ein Bereich, der oft vergessen wird.

Trotz der gewaltigen Herausforderungen schmieden wir sehr konkrete Pläne zu Verwirklichung der „Mobilen Betreuung“ und der Erweiterung des Angebots in den bestehenden Tagesstätten durch Flächen und Räume im Umfeld von Wien. Es gibt hier konkrete Pläne, erste erfolgversprechende Schritte wurden gemacht und auch in der derzeitigen Situation werden innovative Ideen und Pläne entwickelt. Es ist allerdings zu früh, Konkretes zu veröffentlichen. Hoffentlich klappt alles und hoffentlich lässt man uns die Pläne dann auch umsetzen!

Völlig unvorbereitet hat uns das Corona-Virus nicht getroffen. Wir verfügen über Desinfektionsmittel und Handschuhe in ausreichenden Mengen und besitzen noch aus der Zeit der Vogelgrippe-Pandemie einige Packungen an Schutzmasken, allerdings keine Anzüge. Durch den Betrieb an beiden Tagesstätten können wir auf den notwendigen und vorgeschriebenen Abstand zwischen den Anwesenden auf besondere Weise achten.

Dass wir derzeit alle Mittel benötigen, um den laufenden Betrieb am Laufen zu halten, werden wohl alle verstehen. Darum ist es jetzt nicht oberste Priorität, eine neue Kreissäge oder andere Geräte für unsere Werkstätten anzuschaffen. Jetzt geht es um Fundamentales. Allen, die uns in dieser Zeit unterstützen und spenden, ein ganz besonderer und tief empfundener Dank!

Es wird eine Zukunft geben, wir wissen nur nicht genau, wie sie aussieht. Ein reinigender Effekt scheint einzutreten: Jetzt zählt, was wichtig ist, das Nichtige verliert an Bedeutung. Hoffentlich gilt das auch für die in den letzten Jahren überbordende Bürokratie und Auflagenwulst. In diesem Sinne auf eine hoffnungsvolle neue Zeit!

Mitteilung vom vom 23.3.2020
von Dr. Anto Diestelberger, Obmann Rainman’s Home:
Herausforderung Corona-Virus: Stand 23. März

Wir stehen am Beginn der zweiten Woche der größten Ausnahmesituation der letzten Jahrzehnte und vor uns liegt so viel Ungewisses. Wenn wir doch wüssten, was das Richtige ist; und was man im Nachhinein nicht alles besser wissen wird. Wir von Rainman’s Home haben jedenfalls vorerst einmal entschieden, den Betrieb nun wieder in beiden Tagesstätten aufzunehmen, wenn auch in reduziertem Rahmen.
Warum in beiden? Nur so ist es möglich, die KlientInnen im vertrauten Umfeld zu betreuen und dabei auf die größtmögliche Distanz zwischen den einzelnen Personen zu achten, gleichzeitig aber sehr sinnvoll und individuell zu arbeiten.
Wir bieten unsere Hilfe in Form der geöffneten Tagesstruktur an: den Eltern, den Trägern der Wohneinrichtungen und den KlientInnen.
Ich weiß nicht, wie die Entwicklung morgen sein wird, Flexibilität wird verlangt. Wir werden weiter informieren!
Alles Gute und viel Kraft!
Anton Diestelberger


Mitteilung vom vom 18.3.2020
von Dr. Anto Diestelberger, Obmann Rainman’s Home:

Derzeit ist die Tagesstätte in der Teschnergasse geschlossen, in der Tagesstätte in der Semperstraße läuft nach wie vor ein Notbetrieb. Der ist auch notwendig. Es zeichnet sich ab, dass die Betreuung in der nächsten Zeit vermehrt benötigt wird.
Ich halte eine Betreuung durch unsere MitarbeiterInnen in „fremden Wohneinrichtungen“ aus pädagogischen Gründen für nicht erfolgversprechend, ohne dabei auf rechtliche Aspekte eingehen zu wollen. Die räumliche Enge, die fehlende Infrastruktur für Angebote der durchgängigen ganztägigen Betreuung und die zu erwartenden Spannungen, die in solchen Situationen entstehen, werden zu gravierenden Problemen führen und viele der Betreuten und die Betreuenden vor Ort in ausweglose Situationen bringen. Daher ist es notwendig, einen professionellen Betrieb der Tagesstätten – wenn auch in reduziertem Rahmen – aufrecht zu erhalten.
Ich denke, dass es auf Dauer einfacher ist, einen Transport unter besonderen Bedingungen und Vorsichtsmaßnahmen durchzuführen, als die Ganztagesbetreuung unter unzulänglichen Verhältnissen.
Ich möchte auch darauf hinweisen, dass in den Tagesstrukturen es leichter gelingen kann, auf Abstand zwischen den einzelnen zu achten. Es geht nicht nur um Wohnungseinrichtungen, wir versuchen auch die Elternperspektive zu berücksichtigen, da ja viele der bei uns betreuten Menschen noch bei den Eltern leben. Da werden bald viele an ihre Grenzen stoßen und eine funktionierende Tagesstruktur ganz dringend benötigen.
Wir sind in Kontakt mit dem Busunternehmen, um einen möglichst sicheren Transport zu gewährleisten.
Mit besten Grüßen
Anton Diestelberger

HIER auch der Brief an die MitarbeiterInnen von Rainman’s Home: DOWNLOAD Brief an die MitarbeiterInnen

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